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Redaktionsbüro
Ingo Steinhaus
 
 
 

Mini-GmbH: Erfolgreiche Neuerung

Die neue Rechtsform „Unternehmergesellschaft“ ist ein Erfolg: 19.000 Neugründungen im ersten Jahr mit zumeist positiven Erfahrungen der Gründer.

„Die Ein-Euro-Limited ist fast verschwunden, es werden vorwiegend UGs gegründet“, fasst der Kölner Notar Dr. Marc Hermanns seine Erfahrungen mit gut einem Jahr „Unternehmergesellschaft (UG)“ zusammen. Seit November 2008 kennt das GmbH-Gesetz eine Zusatzregel, nach der eine haftungsbeschränkte Gesellschaft mit einer Einlage von mindestens einem Euro gegründet werden kann.

Die neue Firmenform heißt offiziell „Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)“ oder „UG (haftungsbeschränkt)“ und wird oft als Mini-GmbH bezeichnet. Der Spitzname hat einen bestimmten Hintergrund: „Auch für eine UG gilt das bekannte GmbH-Recht“, betont Marc Hermanns. „Außerdem fließen 25% des Gewinns in eine Rücklage, bis die vollen 25.000 GmbH-Stammkapital gebildet sind.“

19.000 Mini-GmbHs angemeldet

Mit der UG hat der Gesetzgeber auf die enorme Nachfrage nach einer Firmengründung mit Haftungsbeschränkung, aber ohne hohes Stammkapital reagiert. Viele Gründer entschieden sich in den letzten Jahren für eine englische „Limited (Ltd.)“, die ab einem Euro Einlage gegründet werden kann. Spezielle Dienstleister übernehmen die Anmeldung und bieten auch gleich eine englische Geschäftsadresse an.

Doch die Euphorie für diese Gesellschaftsform hat sich rasch gelegt. „Die Limited ist am Anfang billig, kann aber später sehr teuer werden“, sagt Marc Hermanns. „Es muss englisches Recht beachtet werden und außerdem benötigt das englische Handelsregister zum Teil Geschäftsdokumente in Englisch. Das ist keine kleine Hürde.“

Gründer greifen deshalb gerne auf die Mini-GMbH zurück. Im ersten Jahr dieser Neuregelung entstanden bundesweit über 19.000 Unternehmergesellschaften. Dies ergab eine Auswertung des Instituts für Rechtstatsachenforschung der Uni Jena. Der Institutsleiter Prof. Dr. Walter Bayer betont: „Mehrheitlich wird das vereinfachte Verfahren mit dem Musterprotokoll des Gesetzgebers genutzt.“

Diese Mini-GmbH von der Stange sollte eigentlich eine kostengünstige und vor allem beschleunigte Gründung ergeben. Letzteres sei nicht immer der Fall, meint Walter Bayer. „Die Registergerichte prüfen akribisch, ob der zwingende Wortlaut der Vorlage eingehalten wurde.“ Das dauert oft etwas länger, stört aber viele Gründer nicht besonders.

Niedriges Stammkapital ist wichtig

Die Besitzer der Mini-GmbHs konzentrieren sich lieber auf den Aufbau des Unternehmens, denn hinter jeder dieser Minifirmen steckt eine Geschäftsidee. Bereits ein kurzes Stöbern in der gemeinsamen Datenbank der Registergerichte (www.handelsregister.de) fördert Kehrdienste, Hausverwaltungen, Unternehmensberatungen, Software-Firmen, Gastronomieservices, Schlüsseldienste und viele andere Kleinunternehmen zu Tage.

Ein sehr großer Teil der Gründungen sind im Bereich Medien oder Unternehmensberatung aktiv. Andere benötigen eine haftungsbeschränkte Gesellschaft für einen Internetshop, zum Beispiel David Beckers von der „hemdwerk UG“. Er betreibt einen bereits eingeführten Online-Shop für kostengünstige Maßbekleidung. Die Ware wird nicht als Einheitsprodukt hergestellt, sondern anhand der Design- und Größenwünsche des Bestellers.

„hemdwerk hat als GbR angefangen, doch die Haftungsfreistellung ist bei zunehmendem Geschäftserfolg wichtiger geworden“, beschreibt der Gründer das Motiv für die UG-Anmeldung. „Natürlich war auch das geringe Eigenkapital wichtig. Wir haben aber auf jeden Fall die möglichst rasche Umformierung als GmbH zum Ziel.“

Beckers ist nicht besonders überzeugt von der Mini-GmbH: „Hier sind die Nachteile von GmbH und Limited kombiniert worden.“ Er empfand die Anmeldung als extrem umständlich und bürokratisch. Außerdem sei der Ruf einer UG nicht besonders gut: „Sie ist als Laienveranstaltung verschrien und gilt nicht als vollwertige Firma.“

Geschäftspartner sind oft vorsichtig

Eine harsche Kritik, die aber nicht die Regel ist. Meist sind die Gründer zufrieden mit ihrer Entscheidung, so zum Beispiel Martin Krantz. „Ich bin lediglich Vermittler und brauche kein großes Stammkapital“, erläutert er sein Unternehmen „Nordische Blockhaus Importe UG“. Trotzdem war ihm die Haftungsbeschränkung sehr wichtig – in der Praxis der Hauptgrund für die Gründung einer UG.

„Die UG ist hervorragend für Existenzgründer, vor allem im Bereich der Dienstleistungen. Der Gründer kann direkt loslegen und muss sich zum Beispiel nicht für das Stammkapital verschulden“, meint Rechtsanwalt Dr. Falco Schickerling aus Hannover. Der Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht hat sich sehr intensiv mit der Unternehmergesellschaft beschäftigt und hält sie für ein gelungenes Stück Gesetzgebung.

„Allerdings ist die Mini-GmbH vom Staat nicht auf Dauer angelegt. Sie bietet eine Art GmbH-Einstieg mit geringen Mitteln“, meint Falco Schickerling. Dies weist aber auf ein Problem der Mini-GmbH hin: Sie ist sofort als wenig kapitalstarke Neugründung erkennbar, Zurückhaltung bei Geschäftspartnern oder Lieferanten ist nicht auszuschließen.

In der Praxis kommen oft Gründungen mit einem Stammkapital von 300 Euro vor, da dies den Kosten für die UG-Gründung entspricht. Viele Unternehmer zahlen jedoch höhere Beträge bis 1.000 Euro ein. Schließlich ist das Stammkapital über das Handelsregister einsehbar und wer arbeitet schon gerne mit einer Firma zusammen, der die eigene Geschäftsidee nur einen Euro wert ist.

Das ist Unternehmenskonzept wichtig

Auch Banken achten eher auf das Unternehmenskonzept als auf die Rechtsform. Für die Kreditvergabe gelten hier die bekannten Gesetze: Sicherheiten sind entscheidend. Oft hilft auch eine bisher gute Beziehung zur Bank. So war es zumindest bei David Beckers von hemdwerk: „Wir haben einen großzügigen Dispo erhalten.“

Doch die Banken prüfen auch das Unternehmenskonzept und bewerten die finanzielle Situation oft sehr streng. Das musste auch Christine Nöh erfahren. Für „Die Flower Box UG & Co. KG“ gab es keine Förderbürgschaft der Bürgschaftsbank Hessen. Das Institut forderte zuerst den Einsatz der noch vorhandenen Eigenmittel. Außerdem bewertete es die Konkurrenzsituation eines Internetshops für hochwertige Blumengebinde als ungünstig.

„Wir haben Firmenentwicklung und -gründung aus Eigenmitteln finanziert. Und die geschäftliche Entwicklung bestätigt die Unternehmensidee“, betont die Gründerin. „Wir“ heißt in diesem Fall: Sie und ein Mitgesellschafter. Die beiden haben eine KG gegründet, bei der die Unternehmergesellschaft die haftende Gesellschafterin ist – ein bei der GmbH gut bekanntes Modell.

Bei der Mini-GmbH ist es bisher nicht sehr weit verbreitet. Doch die UG & Co. KG hat bereits eine kleine Zweitkarriere als Gestaltungsmedium in Firmengruppen hinter sich: Eine Immobilienverwaltung oder eine Projektgesellschaft, die nicht am Markt auftritt, kann durch die UG oder eine Co. GG ohne große Kapitalbindung gegründet werden.

Ziel ist die richtige GmbH

„Eine UG kann sehr interessant sein, um kostengünstig bestimmte Risiken aus einem Unternehmen auszulagern“, erläutert Rechtsanwalt Falco Schickerling. Doch das ist nicht Hauptzweck der Unternehmergesellschaft. Das ergänzte GmbH-Gesetz zielt auf Kleingewerbler und Startups, die sonst keine Haftungsbeschränkung durch die Gründung einer Kapitalgesellschaft erreichen könnten. Das Ansparen des Stammkapitals wird durch Gesetz zu einem Unternehmenszweck gemacht.

Der UG-Experte hofft, dass möglichst viele Gründer die Umfirmierung als GmbH so schnell wie möglich anstreben. In der Praxis bedeute dies, nicht nur das obligatorische Viertel vom Jahresgewinn anzusparen, sondern so viel wie möglich. „Bisher ist der Ruf der UG gegenüber dem der Ltd. noch recht gut. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob dass so bleibt.“

(ProFirma)